Ehrenamtliche Beerdigungsleiter*innen im Dekanat

Am Freitag, 9.10. wurden um 19 Uhr bei in St. Marien 12 ehrenamtliche Beerdigungsleiter*innen feierlich gesegnet und für ihren Dienst ausgesandt. Neun Engagierte werden in unserem Dekanat in Zukunft Beerdigungen leiten, die anderen kommen aus weiteren Dekanaten. 

Im Bistum Hildesheim gibt es insgesamt schon über 200 ehrenamtliche Beerdigungsleiterinnen und -leiter. Ein beeindruckender Schritt auf dem Weg zu einer Gemeinde der Beteiligung - Trauernde trösten, Sterbende begleiten, die Toten begraben ist lange Zeit in der Kirche Aufgabe von Laien gewesen. Nun wird dieser Dienst wieder neu eingeführt. Ausgelöst durch den Mangel an Priestern und Diakonen ist dies doch ein Zeichen für unsere gemeinsame Verantwortung und die Vielzahl an Gaben und Dienste in unserer Kirche.

Für die katholischen Pfarrgemeinden im Dekanat Bremen-Nord sind im letzten halben Jahr neun ehrenamtliche Beerdigungsleiter*innen ausgebildet worden. In den drei Pfarreien dieses Bereiches, also für den ganzen Stadtteil Bremen-Nord und den gesamten Landkreis Osterholz, werden sie ab 2021 im Einsatz sein.

„Hebammen der Hoffnung“ 

„Ich möchte eine ‘Hebamme der Hoffnung‘ für die trauernden Angehörigen sein. Wenn ich zum Trauergespräch gehe, dann möchte ich mit offenen Ohren und offenem Herzen bei den Menschen sein!“, so formulierte es eine Teilnehmerin im Beerdigungsleiterinnen-Kurs. Mit der eigenen Hoffnung über den Tod hinaus hatten sich im Osterzeugen-Kurs 15 Teilnehmende intensiv beschäftigt. Im Mittelpunkt des Kurses standen die eigenen Erfahrungen mit Leid, Tod und Trauer. Aber eben auch die eigene Sichtweise, was kommt „danach“, was ist meine ganz persönliche Hoffnung. Dabei ging es zunächst um die Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft und mit eigenen Erfahrungen. Außerdem wurden Texte und Gedichte christlicher Denker und Theologen studiert. In der Gruppe konnten die gewonnenen Erkenntnisse und das Ringen um den eigenen Auferstehungsglauben immer wieder in Worte gebracht, kritisch hinterfragt und ergänzt werden. Dabei spielte nicht allein das Nachdenken eine Rolle. Auch vom Herzen her stellten sich die Teilnehmenden immer wieder die Frage, was sagt mir das für meinen Auferstehungsglauben und für mein Osterzeugnis. Denn dieses Zeugnis gilt es ja auf einer Beerdigung im Angesicht von Tod und Trauer zu geben, um den Angehörigen etwas Hoffnung zu schenken.

„Als ich selbst Abschied nehmen musste und in Trauer war, habe ich mich sehr verloren gefühlt. Ich möchte als Beerdigungsleiterin den Angehörigen nahe sein in ihrer Verlorenheit und glaube, dass ich mich sehr gut in sie hineinversetzen kann, um dann ein Stück gemeinsam in die Hoffnung zu finden!“, so fasst eine andere Teilnehmerin ihre Motivation zusammen, warum sie ehrenamtliche Beerdigungsleiterin wird. Ihre Aufgabe wird es als Beerdigungsleiterin sein, das Trauergespräch mit den Angehörigen zu führen, die Gestaltung und Durchführung des Beerdigungsgottesdienst und die Traueransprache zu halten – oder sollte man besser sagen: das „Osterzeugnis“. All diese Aspekte wurden im zweiten Kursteil an praktischen Beispielen erlernt und geübt. Der Besuch in einem Beerdigungsinstitut und die Hospitation einer Beerdigung bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen rundeten die Ausbildung ab.

Für die Menschen in den drei großen Pfarreien Hl. Familie in Bremen-Grohn, in St. Marien in Bremen-Blumenthal und in Hl. Familie/ Osterholz-Scharmbeck mit insgesamt neun Kirchstandorten wird dies eine wichtige Neuerung sein. Neben Priestern, Diakonen und Gemeindereferentinnen beerdigen dann auch ausgebildete und vom Bischof beauftragte Laien in ihren Gemeinden die Toten. Im Bistum Hildesheim gibt es bereits rund 200 ehrenamtliche Beerdigungsleiter*innen, aber für das Dekanat und Menschen in den Pfarreien sind dies die ersten neun Personen, die dann Angehörige besuchen, Trauergespräche führen und Beerdigungen feiern werden. Maria Magdalena war nach dem Zeugnis des Evangelisten Johannes (Joh 20, 12-18) eine der ersten „Osterzeuginnen“. Sie begegnet dem Auferstandenen und erkennt ihn, als er sie mit Namen anspricht. Im Beerdigungsleiterinnen-Kurs der katholischen Gemeinden sind auch überwiegend Frauen gewesen. Was für ein Zufall, schon damals waren Frauen die letzten, die Jesus in seinem Leid am Kreuz nahe waren und die ersten, die die Osterbotschaft verstanden und davon Zeugnis abgelegt haben: „Hebammen der Hoffnung“ schon damals und heute wieder!“

(Markus Leim, Pastoralreferent)